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5. Fachtag Antisemitismusprävention: Mehr als "nur" Faktenwissen – Antisemitismuskritische Bildung weiter denken

23. September 2026, 9 bis 17 Uhr

Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße 14
26789 Leer, SparkassenForum

Viele schulische Materialien zur antisemitismuskritischen Bildung konzentrieren sich darauf, antisemitische Stereotype, Narrative und Motive zu dekonstruieren, ihre historischen und gesellschaftlichen Ursprünge zu erläutern oder über Erscheinungsformen des Antisemitismus aufzuklären. Diese Wissensvermittlung ist ein unverzichtbarer Bestandteil antisemitismuskritischer Bildungsarbeit. Zugleich stellt sich die Frage, ob Wissen allein ausreicht, um antisemitischen Einstellungen und Handlungsmustern wirksam zu begegnen.

Der Fachtag richtet den Blick auf weitere zentrale Dimensionen antisemitismuskritischer Bildung, die in der schulischen Praxis und in Diskursen häufig weniger Beachtung finden. Im Mittelpunkt steht die Frage: Was braucht antisemitismuskritische Bildung über die Vermittlung von Wissen hinaus, um nachhaltig wirksam zu sein? Dazu widmen wir uns den Themenfeldern Radikalisierung, Dialog, der Reflexion von Abwehrmechanismen sowie dem Begegnungslernen.

Gemeinsam möchten wir diskutieren, wie schulische Bildungsarbeit Räume schaffen kann, in denen Wissen, Reflexion, Perspektivwechsel und Begegnung zusammenwirken und so einen nachhaltigen Beitrag zur Prävention und Intervention gegen Antisemitismus leisten.

Der Fachtag richtet sich an Lehrkräfte, Referendar:innen, Studierende, pädagogische Fachkräfte und Interessierte. Er bietet ein Forum für Fachinformation und Austausch.


Der Fachtag findet in Kooperation mit:

Der Fachtag wird von der Dr. Heinz E. & Edith Samson-Familienstiftung und dem Landkreis Leer gefördert.

Anmeldung:

Eine Anmeldung ist über das folgende Portal erforderlich:
Niedersächsisches LernCenter (NLC) l VA-Nummer: KAUR.639.228

Die Teilnahmegebühr beträgt: 10 Euro

Programm

9:00 Uhr: Begrüßung

9:15 bis 10:15 Uhr: Vortrag: Bildung als wirksames Mittel gegen Antisemitismus? Ahmad Mansour, Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention (MIND) gGmbH

Antisemitismus entsteht nicht im luftleeren Raum. Gerade junge Menschen begegnen heute einer Vielzahl gesellschaftlicher Spannungen, Krisen und digitaler Einflüsse, die Verunsicherung, Abgrenzung und einfache Feindbilder begünstigen können.

Schule und politische Bildung sind deshalb zentrale Orte, an denen demokratische Werte gelehrt, gelernt, gelebt, demokratiefeindliche sowie antisemitische Tendenzen früh erkannt und präventive Handlungsmöglichkeiten entwickelt werden können. Ausgehend von der Verschärfung von Antisemitismus in Deutschland seit dem 7. Oktober 2023 thematisiert der Vortrag insbesondere präventive Maßnahmen. Welche Rolle spielen soziale Medien und digitale Kompetenz bei der Präventionsarbeit? Was brauchen Schulen und pädagogische Fachkräfte, um erste Anzeichen von Radikalisierung wahrzunehmen und angemessen darauf zu reagieren? Und welche Verantwortung tragen Politik und Gesellschaft, um junge Menschen in ihrer demokratischen Haltung zu stärken?

Nach dem Vortrag gibt es die Möglichkeit, Fragen an Ahmad Mansour zu richten. 

Ein Büchertisch sowie eine Literaturliste werden bei der Veranstaltung zur Verfügung gestellt.

Der Vortrag wird online übertragen. Für die digitale Teilnahme bitte unter ejs@lkleer.de anmelden.

10:15 bis 10:30 Uhr: Kaffeepause

10:30 bis 12:30 Uhr: Workshops – erster Teil

Workshop 1: Umgang mit und Prävention von Antisemitismus im Schulalltag, Ahmad Mansour, Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention (MIND) gGmbH

Aufbauend auf den Inhalten des Vortrags wird im Workshop tiefergehend der Frage nach dem Umgang mit und Prävention von Antisemitismus im Schulalltag anhand von Fallbeispielen nachgegangen. Diese werden mit Methoden der Theaterpädagogik erschlossen und im Blick auf Handlungsoptionen reflektiert.

Folgende Fragen stehen dabei im Vordergrund:

  • Wie kann Antisemitismus (vor allem nach dem 7. Oktober 2023) einerseits im Unterricht und andererseits in der Institution Schule angemessen aufgegriffen werden?
  • Wie können Dialogräume in Schule und Unterricht geschaffen werden, die die Komplexität des Themas angemessen aufgreifen?

Workshop 2: "Ich kann hier beim besten Willen keinen Antisemitismus erkennen", Enno Stünkel für das Projekt "Perspektiven gegen Antisemitismus", Celler Netzwerk gegen Antisemitismus

Bevor wir angemessen auf Antisemitismus reagieren können, müssen wir Antisemitismus wahrnehmen, erkennen und benennen können. Warum fällt gerade das oft so schwer?

Anhand von Fallbeispielen aus dem Schulalltag werden wir versuchen, die Abwehr der Wahrnehmung von Antisemitismus (in der Gesellschaft, in der Schule, bei uns …) besser zu verstehen. Denn der Widerstand gegen die Wahrnehmung ist einer der wichtigen Mechanismen, der den Antisemitismus selbst befördert. Ihn zu erkennen, hilft, eigene blinde Flecken aufzuhellen. Verständlicher wird so auch, warum die Auseinandersetzung mit Antisemitismus oftmals so emotional und überfordernd verläuft.

Workshop 3: Begegnung mit Grenzen? Chancen und Herausforderungen der Begegnungspädagogik aus einer jüdischen Perspektive, Rabbiner Levi Israel Ufferfilge, Jüdische Gemeinde Oldenburg

Begegnungen mit Jüdinnen und Juden können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Einblicke in jüdisches Leben, vielfältige Identitäten, Erfahrungen mit Antisemitismus und das intergenerationale Trauma der Shoah zu vermitteln. Gleichzeitig sind an die Begegnungen mit Shoah-Überlebenden, deren Nachkommen, Jüdinnen und Juden unterschiedlicher Herkunft und Religiosität und Vertreter/innen jüdischer Gemeinden häufig Erwartungen geknüpft, die Jüdinnen und Juden nicht erfüllen können oder sollten. Was kann eine einzelne Begegnung pädagogisch leisten und was bleibt von ihr? Wie lässt sich verhindern, dass die Erfahrungen eines Individuums auf die gesamte jüdische Gemeinschaft übertragen werden? Wie kann eine Begegnung auf Augenhöhe gelingen? Welche Vor- und Nachbereitung braucht es, damit Begegnungen ihr Potenzial entfalten können? Und welche Rolle können verschiedene Medien dabei spielen? Der Workshop stellt unterschiedliche Methoden und Medien der jüdischen Begegnungspädagogik konkret vor, reflektiert deren Chancen und Grenzen und bietet Raum für Austausch, Reflexion und Fragen aus der Praxis.

12:30 bis 13:15 Uhr: Mittagspause mit Imbiss

13:15 bis 15:15 Uhr: Workshops – zweiter Teil

15:15 bis 16:00 Uhr:  Austausch, Rückfragen und Abschlussrunde