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Aktuelles 

Fachtag: Antisemitismusprävention und Demokratieförderung

6. Oktober 2022 von 9 bis 16:30 Uhr im SparkassenForum Leer

Der Fachtag „Antisemitismusprävention und Demokratieförderung“ wird durch den Landkreis Leer ermöglicht. Die Fortbildung richtet sich vorrangig an Lehrer:innen, Referendar:innen, Student:innen und Interessierte aus dem Landkreis Leer, bei freien Plätzen sind auch weitere Interessierte herzlich willkommen.

Zur Anmeldung über die Veranstaltungsdatenbank (VeDaB) des Niedersächsische Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung - VeDaB - Kursnummer KAUR.240.114.

Leitung: Susanne Bracht (Ehemalige Jüdische Schule Leer/Landkreis Leer), Friederike Henjes (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), Prof. Dr. Frauke Grittner (RPZ), Frauke Thees (Studienseminar Leer), Andreas Scheepker (ARO)

Das Bild zeigt eine Brille auf einem Buch, wo das Wort Antisemitismus hervorsticht © AdobeStock.com - 315933904



Programm

8.30 bis 9 Uhr 

Ankommen

9 bis 9.15 Uhr
Beginn, Begrüßung, Ankündigungen

Themenschwerpunkt 1: Lernen durch Begegnung – Jüdisches Leben in Deutschland

9.15 bis 10 Uhr

Vortrag und Gespräch mit Uwe von Seltmann, Journalist und Schriftsteller, „Wir sind da! - 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ - digital

Im Jahr 321, vor 1700 Jahren, wurden zum ersten Mal Juden auf deutschen Territorien urkund-lich erwähnt. In seinem Buch zum Jubiläumsjahr 2021 zeigt Uwe von Seltmann die Vielfäl-tigkeit des gegenwärtigen jüdischen Lebens auf und erzählt die reichhaltige Geschichte des deutschen Judentums von den Anfängen im Mittelalter über den langen Kampf um Gleichbe-rechtigung und den schwierigen Neuanfang nach der Schoah bis heute. Unter dem Motto »Wir sind da« – entnommen einem Liedtext des jiddischen Dichters Leyb Rozenthal – will er Antwor-ten auf die aktuellen Fragen der jüdischen Community anbieten: Wer sind wir? Woher kommen wir? In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Gibt es eine deutsch-jüdische Kultur? Kann es ein »normales jüdisches Leben« in einem Land geben, das sechs Millionen ermordete Jüdin-nen und Juden auf dem Gewissen hat und bis heute nicht frei von Antisemitismus ist?

10 bis 10.30 Uhr
Austausch und Diskussion
10.30 bis 10.45 Uhr
Kaffeepause
10.45 bis 11.15 Uhr
Workshop: Vorstellung und Erläuterung regionaler Möglichkeiten zur
Begegnung, z.B. Ehemalige Jüdische Schule Leer, Jüdische Gemeinde Oldenburg, Projekt „Meet a Jew“

Themenschwerpunkt 2: Antisemitismuskritische Bildungsarbeit im Schulkontext

11.15 bis 12.30 Uhr

Vortrag und Gespräch mit Prof. Dr. Julia Bernstein „Antisemitismus an
Schulen - empirische Erkenntnisse neuer Forschungen mit dem Fokus auf jüdische Perspektiven“

Professur für Diskriminierung und Inklusion in der Einwanderungsgesellschaft an der Frankfurt University of Applied Science - digital

Nähere Informationen zum Vortrag von Prof. Dr. Julia Bernstein

Im Vortrag wird auf der Grundlage einer Studie über Antisemitismus an Schulen in Deutschland in den Problembereich eingeführt. Wie äußert sich Antisemitismus in der Schüler:innenschaft heute? Wie nehmen Lehrer:innen dies wahr und wie reagieren sie darauf? Ein besonderer Fokus wird dabei auf Perspektiven und Erfahrungen von Jüdinnen und Juden gelegt. Wie nehmen Betroffene den Antisemitismus und den Umgang mit ihm wahr? Entlang dieses Vergleichs der Perspektiven und Orientierungsmuster unterschiedlicher Akteursgruppen wird der spezifische Problembereich Antisemitismus an Schulen in seinen Ursachen, Ausprägungen und Dynamiken nachgezeichnet. Folgende Leitfragen werden dabei besprochen:

  • Wie und in welchen Erscheinungsformen stellt sich das Problem Antisemitismus an Schulen dar und in welchem Zusammenhang steht das zur Gesamtgesellschaft?
  • Wie nehmen Lehrkräfte Antisemitismus wahr und welche Probleme resultieren daraus?
  • Was bedeutet israelbezogener Antisemitismus und welche Erfahrungen machen jüdische Menschen damit?
  • Wie konnte sich 77 Jahre nach dem Holocaust und mit dem erinnerungskulturellen Konsens, der Geschichte zu erinnern und aus ihr zu lernen, „Du Jude“ als Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen etablieren?
  • Wie wird aus nichtjüdischer und jüdischer Perspektive über die NS-Vergangenheit gesprochen? Was bedeutet es, dass sie für viele nichtjüdische Menschen ge-fühlt sehr weit zurückliegt, während sie für Jüdinnen und Juden in vielen Alltagssituationen immer wieder in das „Hier und Jetzt“ gebracht wird?
  • Welche Rolle spielt das in Deutschland tradierte Verschweigen sowie das gesellschaftliche Erbe des Nationalsozialismus für die kollektiven Identitäten und was bedeutet das für die gesellschaftliche Teilhabe von Jüdinnen und Juden heute?
12.30 bis 13.30 Uhr
Mittagessen, Austausch, Büchertisch
13.30 bis 14.30 Uhr

Workshop 1: „Antisemitismus begegnen – Handlungsempfehlungen für
Lehrkräfte“, Prof. Julia Bernstein - digital

In dem Workshop wird der Umgang mit Antisemitismus in der Schüler:innenschaft auf konkrete Handlungsmöglichkeiten bezogen. Entlang von Fallbeispielen und hypothetischen Szenarien antisemitischer Vorfälle wird aufgezeigt, wie Lehrkräfte auf antisemitische Äußerungen von Schüler:innen reagieren und welche Fallstricke sich dabei ergeben können. Die Reflexion von Handlungsmöglichkeiten wird dabei in eine Auseinandersetzung mit als typisch rekonstruierten Problemlagen des pädagogischen Umgangs mit Antisemitismus überführt. So wird es unter anderem darum gehen, was bei dem Umgang mit antisemitischen Äußerungen von unterschiedlich politisch orientierten sowie migrantischen oder muslimischen Schüler:innen zu beachten ist. Den Lehrkräften werden also Handlungsschritte für den pädagogischen Umgang mit antisemitischen Äußerungen vermittelt. Dabei werden mögliche Abwehrreaktionen von allen beteiligten Akteuren, also sowohl von Schüler:innen als auch von Lehrkräften selbst, und die Perspektive der Betroffenen miteinbezogen.

14.30 bis 16 Uhr

Workshop 2: »(Versteckten) Antisemitismus in Schulbüchern erkennen und vermeiden!«, Ariane Dihle, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Schulbücher spielen in verschiedenen Fächern eine ganz unterschiedliche Rolle – bei den einen sind sie Leitmedium, bei den anderen eher ein Steinbruch oder eine Inspirationsquelle für die eigene Planung. Gemeinsam ist ihnen aber, dass in jedem Fach häufig Bücher zur Unterrichtsvorbereitung herangezogen werden. Schulbücher sind dabei immer auch Produkte gesellschaftlicher, politischer, theologischer, pädagogischer Auseinandersetzungen, umso wichtiger ist es, dort einmal genauer hinzuschauen: Wie wird das Judentum dargestellt? An welchen Stellen findet sich vermutlich ungewollter, versteckter Antijudaismus oder Antisemitismus? Welche Darstellungen sind möglicherweise an antijüdische Narrative anknüpfungsfähig? Je nach Fächern der Teilnehmenden schauen wir dazu in Religions-, Werte und Normen- (Ethik-), Ge-schichts-, Politik-Wirtschaft- oder auch Biologiebücher.

Workshop 3: »Völlig meschugge?!« - Darstellung jüdischen Lebens in aktueller Kinderliteratur«, Rebecca Hedenkamp, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Jüdisches Leben in Deutschland wird seit Jahren in unterschiedlichen medialen Formen thematisiert. Das Kinderbuch hat dabei eine besondere Stellung inne, da es hier gelingen muss, Jüdisch-sein in Deutschland als Spannungsfeld zwischen Antisemitismus, Shoah- Erinnerung, religiöser bzw. kultureller Identität und gelebtem Glauben zu zeichnen und jungen Leser:innen zugänglich zu machen. Im Workshop wollen wir uns beispielhaft einige Kinderbücher, die diesen Balanceakt versuchen, anschauen, analysieren und Einsatzmöglichkeiten für den Schulunterricht (fachunspezifisch) diskutieren. Es wird zudem einen Büchertisch und einen Reader mit Literaturempfehlungen und Unterrichtsmaterialien geben.

Workshop 4: »Meet a Jew«, Maja Harel, Lehramtsstudentin an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Das aktuelle jüdische Leben durch in Deutschland lebende jüdische Menschen kennen lernen, das ist die Idee hinter Meet a Jew. Denn eine persönliche Begegnung bewirkt, was tausend Bücher nicht leisten können. Wer Jüdinnen und Juden schon einmal persönlich getroffen hat, ist weniger anfällig für Stereotype und Vorurteile und weiß, dass es viel mehr Themen gibt über die wir miteinander sprechen können als über Antisemitismus, die Shoah oder den Nahostkonflikt. Meet a Jew ist 2020 aus dem Zusammenschluss der erfolgreichen jüdischen Projekte Rent a Jew und Likrat – Jugend & Dialog hervorgegangen. Gemeinsam entwickeln wir das Projekt weiter, ermöglichen noch mehr Begegnungen und erreichen weitere Zielgruppen an Universitäten, Sportvereinen, unter Pädagoginnen und Pädagogen oder im Internet.

16 bis 16.30 Uhr
Abschluss