Gesunde Musikschule
Als dritte Musikschule des Bundeslandes Niedersachsen und erste Musikschule der Region Ostfriesland wurde der Kreismusikschule des Landkreises Leer im Febraur 2024 das Zertifikat „gesunde musikschule®“ der Musikschulakademie Schloss Kapfenburg und der Techniker Krankenkasse verliehen. Durch die Einbeziehung gesundheitlicher Aspekte sollen Nachwuchsmusikerinnen und –musiker die Grundlagen erlernen, um bis ins hohe Alter hinein mit Freude und Ausdauer musizieren zu können.
Die Qualifizierung verlief in drei Schritten: Im ersten Schritt erfolgte die Ausbildung eines Gesundheitsmentors für Musikergesundheit. Diese hat Thomas Stan Hemken, stellvertretender Schulleiter sowie Fachkraft für Schlagzeug und Percussion und Yogalehrer, 2023 erfolgreich absolviert. Im zweiten Schritt wurde das Kollegium der Kreismusikschule Leer einbezogen. Mit der feierlichen Übergabe des Zertifikats durch den offiziellen Vertreter der Musikschulakademie Schloss Kapfenburg, Professor Dr. Stephan Berg, konnte nun der dritte und letzte Schritt für die Zertifizierung abgeschlossen werden. Regelmäßige Weiterbildungen werden für einen dauerhaften Qualitätsstandard sorgen.
Was ist eine "gesunde musikschule®"?
Ziel des Projektes „gesunde musikschule®“ ist laut Musikschulakademie Schloss Kapfenburg, die Erkenntnisse der Musikermedizin und Musikphysiologie alltagstauglich und praxisnah in den Musikschulunterricht zu integrieren. Dadurch sollen Haltungsschäden und Überlastungen, aber auch mentalen Problemen, wie zum Beispiel Auftrittsängsten, vorgebeugt werden. Kindern werden von Anfang an die wichtigsten Grundlagen vermittelt und ein Musizieren mit Freude und Ausdauer bis ins hohe Alter hinein ermöglicht.
Allgemeine Informationen zur Musiker Gesundheit
Musikergesundheit umfasst sowohl körperliche als auch psychische Herausforderungen, die oft unterschätzt werden. Musikerinnen und Musiker sind einerseits kreative Künstler, andererseits Hochleistungssportler – und genau diese Doppelrolle bringt besondere Belastungen mit sich. Dabei heißt es nicht zwangsläufig, dass man an seine körperlichen oder psychischen Belastungsgrenzen kommen muss, nein auch der stetige Umgang mit der korrekten Haltung des Instruments fordert den Körper heraus. Bekannt ist hierbei zum Beispiel die sogenannte "Gitarristenschulter", bei der sich nach langjährigem Tragen der Gitarre am Gurt ein Schiefstand der Schulter einstellen kann, obwohl man das Instrument immer korrekt gehalten und gespielt hat.
Wir gliedern auf:
Körperliche Belastungen (Beispiele)
• Überlastung durch Wiederholung: Das ständige Üben und Wiederholen feinmotorischer Bewegungen kann zu Sehnenscheidenentzündungen, Muskelverspannungen oder Haltungsschäden führen.
• Lärmexposition: Besonders bei Orchestermusikern oder Bands ist das Risiko für Hörschäden und Tinnitus hoch.
• Instrumentenspezifische Probleme: Bläser leiden oft unter Zahn- und Kieferproblemen, Streicher unter Schulter- und Rückenbeschwerden. Schlagzeuger können an Erschöpfung bei fehlenden Pausen zwischen den Konzerten leiden.
Link: Springer
Psychische Herausforderungen (Beispiele)
• Auftrittsangst und Lampenfieber: Regelmäßige Bühnenauftritte erfordern einen professionellen Umgang mit Nervosität und Stress.
• Perfektionsdruck: Musikerinnen und Musiker sind häufig einem hohen Erwartungsdruck ausgesetzt – sowohl von Lehrenden, Schülern, Eltern, Schulleitungen als auch vom Publikum. Dieser Perfektionsanspruch kann zu Burnout und Depressionen führen.
• Instabile Lebensbedingungen: Viele Künstlerinnen und Künstler kämpfen mit unsicherem Einkommen, langen Tourneen und öffentlichem Druck, was die mentale Gesundheit zusätzlich belastet.
Link: dgfmm.org (pdf - nicht Barrierefrei!)
Gesellschaftliche und systemische Aspekte (Beispiele)
• Tabuisierung: Gesundheitliche Probleme von Musikerinnen und Musikern wurden lange Zeit verschwiegen oder als Schwäche betrachtet.
• Fehlende Prävention: In der Ausbildung wird Musikergesundheit oft nicht ausreichend berücksichtigt, obwohl präventive Maßnahmen wie körpergerechtes Üben, Pausenmanagement und mentale Trainingsmethoden entscheidend wären.
• Musikermedizin als Fachgebiet: Mittlerweile hat sich die Musikermedizin etabliert, die sich gezielt mit Prävention und Behandlung dieser besonderen Berufsgruppe beschäftigt.
Link: Bonedo
Positive Seite der Musik (Beispiele)
• Musik wirkt nicht nur belastend, sondern kann auch gesundheitsfördernd sein: Sie stärkt das emotionale Wohlbefinden, fördert soziale Bindungen und kann sogar therapeutisch eingesetzt werden – etwa bei Demenz oder psychischen Erkrankungen. Zudem sind die hohen positiven Wirkungen auf haptische Fähigkeiten und Intelligenzsteigerung mittlerweile bekannt.
Link: Deutscher Musikrat
Fazit:
Es ist auf jeden Fall ratsam, sich gleich zu Beginn der musikalischen Ausbildung mit diesem Thema zu beschäftigen und einige Übungen und Ansichten von vornherein in den Unterricht und die tägliche Praxis einfließen zu lassen, statt damit zu beginnen, wenn erste negative Auswirkungen erscheinen. Die positiven Ergebnisse können dann soweit gestärkt werden, dass der musizierende Mensch dadurch an Gesundheit, mentaler Stärke und gesundem Charakter gewinnt und sich dies auch sehr positive auf ein späteres Leben außerhalb der Musik auswirkt.
Dabei helfen die Aus- und Fortbildungen zum Thema Musikergesundheit vom Bildungsinstitut Schloss Kapfenburg aus Baden Würtemberg mit der Unterstützung der Technikerkrankenkasse, die Gesundheitsmentoren aus- und fortbilden, welche sich dann mit dem Thema Musikergesundheit aktiv an ihren Musikschule beschäftigen.
Auch die Kreismusikschule Leer ist als "gesunde Musikschule" ausgezeichnet. Der stellvertretende Schulleiter Thomas Stan Hemken, Schlagzeuger, Gitarrist, Yogalehrer, Ayurvedaberater, hat sich zusätzlich zum Gesundheitsmentor ausbilden lassen und kümmert sich an der Kreismusikschule zusammen mit dem Schulleiter Stefan Leja und der Fachbereichsleitung um die Themen der Musikergesundheit.
Link: Schloss Kapfenburg